Presse

Jo Schmeiser: Conzepte – Neue Fassungen politischen Denkens
Von Cornelia Stahl
Die Alternative 7/8, Juli/August 2016

Conzepte

 

Verbindungen zwischen Geschichte und Gegenwart neu ausloten

Gratulation an die Herausgeberin Jo Schmeiser und an Richard Ferkl (Design), denn „Conzepte“ wurde 2015 als eines der schönsten Bücher Österreichs ausgezeichnet!
Doch vorab: Das Buch liest sich nicht wie ein Roman, den man von Anfang bis Ende durchdringt, sondern folgt, wie der Name schon verrät, einem (anderen) Konzept. Im Rahmen des Projektes „Conzepte“ entstanden seit 2011 Texte, die sich auf historische Quellen beziehen. Das sind Texte wie „Strange Fruit“ von Billie Holiday, „Die größere Hoffnung“ von Ilse Aichinger, „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir, „Besuch in Deutschland“ von Hannah Arendt, „My Calling (Card) # 1 and # 2“ und „Privilege“ von Yvonne Rainer. Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. Doch Conzepte versteht sich als textuelles Kunstprojekt, welches Denkräume und Bezugnahmen eröffnet. Themen wie Rassismus, Antisemitismus und Sexismus, die der Geschichte zuzuordnen sind, werden in die Gegenwart geholt und unter aktuellen Gesichtspunkten beleuchtet. Spannend ist die Bezugnahme jeweils zweier AutorInnen, KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen oder Musikerlnnen auf einen Text und das Einnehmen gegensätzliche Positionen zu einem Themenfeld.

Schreiben als polylogischer Prozess

Jo Schmeiser definiert Schreiben „als polylogischer Prozess“ (S. 274) und geht dabei den Fragen nach: „Wie positionieren sie sich jeweils zu dem historischen Text? Und wie kommunizieren dann die beiden neu geschriebenen Texte miteinander?“ (S. 274).
Die beschriebene Herangehensweise, die raumzeitlich bezeichnet werden kann, „ermöglichte eine Herstellung von Verbindungen zwischen historischen und gegenwärtigen Orten“, hob Nicola Lauré al-Samarai, Autorin und Redakteurin bei Conzepte, hervor. Weißsein als realweltliches Erfahrungs- und Handlungsmoment wird von ihr untersucht und reflektiert. Resümierend stellt sie fest, dass Schwarze oder Jüdische Themen von weißen Personen okkupiert werden. Weitere Autoren sind: Jamika Ajalon, Lilly Axster, Dagmar Fink, Hannah Fröhlich, Belinda Kazeem, Monika Bernold, Rúbia Salgado, Dominik Kamalzadeh und andere. Idealerweise ergänzend wirken die von Octavian Trauttmannsdorff und Jasmin Trabichler erstellten Foto-Porträts der Künstlerinnen am Ende des Buches. Ein umfassendes Werk liegt vor, eine Einladung zur Auseinandersetzung mit unbequemen Themen und Fragen, gleichzeitig ein Imperativ für unkonventionelle (kollektive) Arbeits- und Denkweisen!

Cornelia Stahl, Radio Orange, „Literaturfenster Österreich“

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