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Hélène Cixous: „Gespräch mit dem Esel: blind schreiben“
von Tanja Traxler
derstandard.at. 12.12.2017

Hélène Cixous im STANDARD-Bücher-Adventkalender

 

Die französische Philosophin Hélène Cixous schreibt in "Gespräch mit dem Esel" über das Schreiben selbst – es ist eine poetisch-philosophische Annäherung an die Verbindung von Widerstand und Schreiben

"Ich schreibe nicht um zu behalten. Ich schreibe um zu fühlen. Ich schreibe um den Körper des Augenblicks mit den Wortspitzen zu berühren" – es sind Einblicke wie diese in ihr Schreiben, die die französische Philosophin und Schriftstellerin Hélène Cixous ihren Leserinnen und Lesern in "Gespräch mit dem Esel – Blind Schreiben" erlaubt. Wie in keinem anderen Text betont sie darin die Verbindung von Widerstand und Schreiben. Im Schreiben geht es Cixous um das Verborgene: "Ich will nicht das sehen was gezeigt ist. Ich will das sehen was geheim ist. Was zwischen dem Sichtbaren versteckt ist."

Um das zu erreichen, bedarf es etwas, das Cixous "blindes Schreiben" nennt. Damit sie schreiben kann, muss Cixous "dem grobgrellen Tageslicht entkommen das mich bei den Augen nimmt, mir die Augen nimmt und sie abfüllt mit groben, rohen Ansichten". So darf es wenig überraschen, dass Cixous in der Nacht schreibt, nur in der Nacht schreiben kann – ist die Nacht doch "die wunderreichere Hälfte meines Lebens".

Tränen der Trauer und der Freude

Was an diesen Passagen auch sichtbar wird, ist, wie Cixous mit den Regeln der Interpunktion bricht. Beispielsweise fehlen etliche Beistriche dort, wo sie herkömmlich gesetzt werden. Damit "verflüssigt sie und öffnet so Sinn und Bedeutung, setzt andere Akzente – zum Teil offene Akzente; denn dort, wo keine Kommata strukturieren, muss der Text jedes Mal im Lesen neu 'artikuliert' werden", schreiben die Herausgeberinnen Esther Hutfless und Elisabeth Schäfer.

Um den Text zu öffnen und zu "verflüssigen", wurden zudem gezeichnete Tränen zwischen die Worte gesetzt. Es sind Tränen der Trauer über einen Verlust, aber auch Freudentränen, die einen Neuanfang begleiten – es sind Markierungen im Text, die das Sagbare übersteigen. Cixous: "The most beautiful things cannot be written, unfortunately. Fortunately. We would have to be able to write with our eyes, with wild eyes, with the tears of our eyes, with the frenzy of a gaze, with the skin of our hands."

Cixous' Text, der von Claudia Simmer ins Deutsche übersetzt worden ist, wird in diesem Büchlein von zwei Supplementen der Wiener Philosophinnen Esther Hutfless und Elisabeth Schäfer sowie von Gertrude Postl, Professorin für Philosophie und Women’s and Gender Studies am Suffolk County Community College in Selden, New York, begleitet. Insgesamt ist ein vielschichtiger, poetischer Band entstanden, der einmalige Einblicke in das Schreiben einer außergewöhnlichen Denkerin bietet. (Tanja Traxler, 12.12.2017)

Hélène Cixous: "Gespräch mit dem Esel – Blind schreiben". Hg. von Esther Hutfless und Elisabeth Schäfer. € 7 / 126 Seiten. Zaglossus, Wien 2017

Hinweis: Am 12. 12. bringt Radio Orange um 18 Uhr eine Ausgabe der Wissenschaftssendung "Superscience Me", in der u. a. die Philosophinnen Esther Hutfless und Elisabeth Schäfer zu Wort kommen: http://o94.at/radio/sendung/superscience-me/1462413/

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