Presse

 

Ines Rieder: Mopsa Sternheim. Ein Leben am Abgrund
Von Anja Kümmel
L-MAG, September/Oktober 2016

Live fast, die young

Spannende Biografie, mit zuviel Namedropping

„Wer würde sich ihrer erinnern?“ grübelt Mopsa Sternheim, als sie 1954 krebskrank in einer Pariser Klinik liegt. Im Gegensatz zu ihren außerordentlich kreativen Freundinnen und Freunden — Klaus und Erika Mann, Annemarie Schwarzenbach, René Crevel — hinterlässt sie nichts außer Briefen, Tagebüchern und einem Romanfragment, das nach ihrem Tod unter mysteriösen Umständen verschwindet.
Ein Grund mehr für Ines Rieder, dem exzessiven, ruhelosen Leben der bisexuellen Bohémienne und antifaschistischen Widerstandskämpferin ein literarisches Denkmal zu setzen. In den 1920er Jahren zieht Mopsa durch die lesbisch-schwulen Bars in Berlin, hat Affären mit Männern und Frauen, probiert neue Formen des Zusammenlebens, experimentiert mit Drogen und begeistert sich für den Kommunismus. Während der Nazi-Herrschaft übersteht sie ein jahrelanges Exil in Paris, Gestapo-Folter und achtzehn Monate im KZ Ravensbrück.
Rieders achronologische Erzählweise, die Mopsas bewegtes Leben vom Ende her aufrollt, reißt über weite Strecken mit und vermittelt lebendige Einblicke in die wechselvolle Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Leider verstrickt sich die Biografie allzu oft in einer verwirrenden Aufzählung von Orten und Persönlichkeiten, die für die Leserinnen kaum Konturen gewinnen. Wesentliches steht ungefiltert neben Banalitäten, Außen- und Innensicht vermischen sich auf nicht immer nachvollziehbare Weise — ob da das Konvolut an Briefen und Tagebuchaufzeichnungen der Autorin hin und wieder über den Kopf gewachsen ist?

Anja Kümmel

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